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Aktuell: Auf dem Jakobsweg mit Ulrich Reinthaller Drucken

Dokumentation, 45min


Bis ans Ende der Welt - Auf dem Jakobsweg mit Ulrich Reinthaller


„Jeden Tag hat sich der gleiche Vorgang wiederholt. In der Früh gehe ich nach Westen, die Sonne ist hinter mir, vor mir mein Schatten. Im Lauf des Tages wird der Schatten kürzer, und am Ende des Tages gehe ich ins Licht. Das Bild eines Menschenlebens. Man überholt seinen Schatten und geht am Ende des Lebens zu auf eine feinstoffliche Welt.“

Es sind Beobachtungen und Gedanken wie diese, die für den prominenten Schauspieler Ulrich Reinthaller das Besondere am Jakobsweg ausmachen. Viele Pilger, die sich auf den Weg ins spanische Santiago de Compostela begeben, wo der Legende nach der Apostel Jakob begraben liegt, geben als Motivation an, die Begegnung mit Gott zu suchen. Nicht so Ulrich Reinthaller:


„Wenn Gott aus allem ist und überall, dann kann ich Gott nicht begegnen, weil er ständig da ist. Gottsuche ist für mich irrelevant. Ich suche nicht nach Gott.“


Ulrich Reinthaller suchte etwas anderes, als er sich vor drei Jahren auf den Jakobsweg machte: „Ich war am Ende meiner Ehe, habe meine Ehe in Brüche gehen gesehen. Und ich habe mir gewünscht, im Gehen Klarheit zu gewinnen.“ Heuer hat sich der bekannte Schauspieler erneut auf den Weg nach Santiago de Compostela gemacht. Und diesmal hat ihn ein Fernsehteam auf einem Teil des Weges begleitet.


Ulrich Reinthallers zweite Pilgerreise stand unter dem Vorzeichen der lebensbedrohlichen Krankheit seines Vaters: „Ich hatte lange Zeit große Schwierigkeiten mit meinem Vater. Auf dem Weg ist meine Vater-Sohn-Beziehung heil geworden, weil ich Liebe strömen gespürt habe, die sich nichts zurück erwartet hat.“


Ulrich Reinthaller

Ausgehend vom lieblichen Städtchen Puente la Reina begleiten wir Ulrich Reinthaller auf dem Weg durch das Weinanbaugebiet um  Estrella Lizzara, das entlegene Bergdorf Villamajor de Monjardin, zum düsteren mittelalterlichen Kloster Juan de Ortega mit seiner Pilgerherberge.


„Ich mag die Pilgergemeinschaft nicht“, sagt Ulrich Reinthaller unmissverständlich: „Ich hab sie vermieden, wo immer ich konnte. Es wird sehr viel geredet, und ich mag das Schweigen. Es ist ein riesiges Ablenkungsmanöver, das Gerede.“


Dem entsprechend ist Ulrich Reinthallers Pilgerreise eine einsame. Bis auf jene in Juan de Ortega vermeidet er es, in Pilgerherbergen abzusteigen: „Pilgerherbergen sind für mich keine gute Erfahrung. Das hängt mit diesem Dogma zusammen, dass Armut eine Tugend sei. In den Herbergen geht es schlampig zu, laut, schmutzig, schimmlige Wände, schlechtes Essen. Ich möchte diesen Weg jedoch in Fülle gehen. Die ganze Erde ist in einer kolossalen Üppigkeit. Es gibt soviel, über das es sich zu freuen lohnt.“


Der Film belegt Ulrich Reinthallers Aussage durch Bilder von ausgesuchter Schönheit, etwa von der Kathedrale in Burgos: „Ein Baukunstwerk, das ich mit keinem anderen vergleichen kann. Seine Schönheit ist überwältigend - da steckt „Gewalt“ drinnen. Die Frage scheint nicht mehr gestattet, ob das alles mit rechten Dingen zuging. Woher kam der Reichtum, wie viele Leute haben dafür sehr gelitten?“


Ulrich Reinthallers Wahrnehmung schwankt immer wieder zwischen Bewunderung und Kritik: „Ich stelle den Geist infrage, aus dem heraus das alles entstanden ist, ein Geist, der nicht friedfertig war. In fast allen Kirchen sind Darstellungen des Heiligen Jakob als Maurentöter zu sehen. Und das wird heute angebetet. Die Pilger beugen das Knie vor einem Jakob, der angeblich aus dem Grab heraus mitgeholfen hat, 60.000 arabisch stämmige Menschen zu töten.“


In Astorga erheitert Reinthaller ein Bauwerk, das gewissermaßen die Antithese zur prächtigen Kathedrale von Burgos darstellt: „Der Palast von Gaudi hat das, was ich an Kirchen oft vermisse, das Spielerische, Kindliche. Mit diesem Lachen des Gaudi ist eine andere Leichtigkeit eingetreten. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hab ich gedacht, ich werde ankommen.“


Doch zuvor muss Ulrich Reinthaller noch den „camino duro“ bewältigen, den „harten Weg“. Er führt lang und steil bergauf, eine echte Prüfung für das Durchhaltever-mögen des Pilgers. Aber Ulrich Reinthaller entzieht sich diesem Anspruch der Härte:


„Ich muss das schaffen - wenn dieser Gedanke aufgetaucht ist, hab ich gedacht: Achtung! Weil ich muss das überhaupt nicht schaffen. Dann hab ich mir gedacht: Wie wär’s mit scheitern? Wie wär’s, wenn ich mich hingäbe, wie wär’s, wenn ich aufgäbe? Dann hab ich plötzlich die Kraft gemerkt, die in dem Gedanken liegt, ich könnte aufgeben. Mir ist klar geworden, ich will den Jakobsweg nicht erkämpfen.“


Nach insgesamt rund 800km ist das Ziel erreicht - und auch wieder nicht: „In Santiago angelangt, spürte ich eine Emotion, die sehr innen war. Ein Friede, ein Selbstverständnis. Keine Euphorie. 2004 hab ich das ganze Spiel mit den Stempeln mitgemacht. Ein bisschen wie Briefmarkenkleben. Für genügend Stempel bekommt man den Erlass aller Sünden. Ich kann das nur mit Distanz betrachten.“


Wie viele Pilger, geht Ulrich Reinthaller diesmal weiter, von Santiago bis an ans Meer, bis nach Finistere, was so viel heißt wie „das Ende der Welt“, wo er die Jakobsmuschel, die ihn den ganzen Weg begleitet hat, ins Meer wirft.


„Es hört nicht auf. Man fliegt wieder nach Hause, und man bleibt in Bewegung. In dem Sinn hatte die Erfahrung etwas Heilsames. In dem Maß, in dem man versteht, dass im Gehen kein Stillstand ist, kann man das Gehen und Kommen im Leben annehmen und kommt in diese Art von Vollkommenheit. Blühen und Verdorren, ein heiliger Vorgang, je bewusster, desto heiliger.“


Stabliste

Buch und Regie: 

Michael Cencig

Kamera:

Erik Schimschar

Kameraassistenz:

Oliver Sachs

Aufnahmeleitung:

Tanja Timpert

Produktionsassistenz:  

Marlies Wirthner, Ina Müller, Valentina Marboe

Herstellungsleitung:

Alecsander Faroga

Produktionsleitung:

Caroline Zichy

Junior Producer: 

Claudia Jünger 

Producer:

Golli Marboe 

Produzent:

Tellux-Film GmbH, Martin Choroba 

Redaktion:

Andrea Kammhuber (BR),

Christoph Guggenberger (ORF)


Eine Koproduktion von BR, 3sat, ORF und Tellux-Film GmbH

(sowie vorraussichtlich BMUKK)

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